Artenschutzprojekt Steinkauz

Warum engagiert sich der NABU-Heidewald für den Steinkauz?

Im Jahr 1999 besuchte unser langjähriges Mitglied Dr. Leander Möbius eine NABU-Tagung, bei der es um die Situation der Steinkäuze  in Deutschland und im Oberrheingraben ging. Da unsere Region mit ihren offenen, klimatisch begünstigten Landschaften sehr geeignet erschien, engagierte er sich für den Schutz und die Wiederansiedlung des Steinkauzes im Rahmen des NABU-Artenschutzprogramms "Steinkauz". Von Anfang an war Volker Schlie an dem Projekt tatkräftig beteiligt.

Das Projektgebiet

Das Kerngebiet der Bearbeitung wird durch die Autobahnen A 6  im Norden, A 61 im Osten, A 65 im Süden und durch den Haardtrand im Westen begrenzt.  Wir haben die Bearbeitung des Kerngebiets aufgeteilt:

Den Nordteil betreuen Rudi Holleitner und Kollegen, den Südteil betreuen die Mitglieder  des NABU-Heidewalds. Weiter beteiligt ist hier der NABU-Mittelhaardt.

Intensiv setzen sich auch Arbeitskreise für den Steinkauzschutz  in Gebieten ein, die an unser Projektgebiet angrenzen, wie linksrheinisch vom Elsass bis nach Mainz, aber auch im Elsass selbst, in der Schweiz sowie auf der badischen Rheinseite. Unsere Hoffnung auf Vernetzung der Vorkommen unserer Steinkäuze mit denen unserer  Nachbarn hat sich erfreulicherweise bereits erfüllt.

Mitarbeiten

Um am Steinkauzprojekt mitarbeiten zu können, muss man kein Mitglied beim NABU oder einem anderen Naturschutzverband sein und auch nicht regelmäßig an Treffen teilnehmen. Wer möchte, ist selbstverständlich dazu eingeladen. Mitgliederstarke Verbände haben bei der politischen Willensbildung entsprechenden Einfluss.

Die Arbeit am Projekt erfolgt, je nach Witterung, von Mitte Mai bis Ende Juni, ggf. bis Anfang Juli. Dabei werden die Steinkauzröhren ein- bis dreimal aufgesucht, um den Bruterfolg zu prüfen und die jungen Steinkäuze und evtl. Altvögel zu beringen. Unterstützung bei der Röhrenkontrolle ist sehr willkommen. Beringen selbst darf nur, wer über eine Beringerlizenz  verfügt. Dazu ist ein Beringerkurs mit abschließender Prüfung  bei der Vogelwarte Radolfzell notwendig.

Eine Reparatur und das Anbringen neuer Röhren erfolgen im Allgemeinen im Herbst.

Wer helfen möchte, kann sich per Mail an Eberhard Hauser Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder telefonisch an Volker Schlie, 06237-6369, wenden. Fragen zum Steinkauz generell beantwortet gern Leander Möbius, Tel. 06353-1336.

Die Beringer tragen die Verantwortung für den Umgang mit den Vögeln und dafür, dass alle Daten sachlich richtig an die Vogelwarte Radolfzell übermittelt werden.

Wissenswertes über den Steinkauz

Eine der seltenen Sieberbruten. Foto: Leander Möbius, 19.5.2012
Eine der seltenen Sieberbruten. Foto: Leander Möbius, 19.5.2012

Der Steinkauz kommt als Kulturfolger in offenen, waldfreien Landschaften vor. Er bevorzugt freistehende Einzelbäume, kommt in Ortsrandbereichen und Gehöften mit Streuobstbeständen und Viehweiden vor. Zudem besiedelt er Weinberge, Steinbrüche und andere Sonderstandorte. Geschlossene Waldgebiete meidet er. Dort steht er in Konkurrenz zum Waldkauz, der zu seinen Fressfeinden zählt.

70% der in Deutschland lebenden Steinkäuze leben im nordwestdeutschen Tiefland. Sein zweiter Besiedlungsschwerpunkt sind die westdeutschen Mittelgebirgsregionen, in dem auch das Oberrheinische Tiefland liegt.

 

Erfolge und Entwicklungen

Ergebnisse von 2002 bis 2016 (Kerngebiet)

Jahr

02

03

04

05

06

07

08

09

10

11

12

13

14

15

16

Röhren

54

69

82

95

100+

110+

120+

130+

140+

140+

140+

140+

140+

160

160

Bruten

3

4

17

27

36

36

43

40

42

49

53

54

52

50

55

Eier

11

18

63

132

151

140

180

147

177

194

216

204

246

218

220

ber. Jungen

8

9

52

123

61

124

137

98

139

159

199

131

203

175

154

Junge ges.

8

17

69

192

253

377

514

612

751

910

1109

1240

1443

1618

1772

 

 

Die Anzahl der Röhren hat sich seit 2002 von 54 auf 160 Röhren verdreifacht. Waren es in den ersten beiden Jahren nur 3 bzw. 4 Bruten, so sind es seit 2012 konstant mehr als 50 Bruten. Schwankungen im Bruterfolg erklären sich durch das Nahrungsangebot. Hierzu zählen vor allem Mäuse. Seit Projektbeginn wurden bereits 1772 Junge beringt.

Zu- und Abwanderungen

Grafik: Leander Möbius
Grafik: Leander Möbius

 

Grafik: Leander Möbius
Grafik: Leander Möbius

Positive Effekte für andere geschützte Arten

In den Niströhren brüten gelegentlich auch andere Höhlenbrüter. Besonders sind hier die Wiedehopfe hervorzuheben. In 11 Steinkauzröhren gab es bereits 21 erfolgreiche Wiedehopfbruten.

Probleme und Rückschläge

Leider kommt es immer wieder vor, dass Niströhren durch Vandalismus beschädigt oder Bäume mit Niströhren gefällt werden. Damit müssen wir leben.

Durch Öffentlichkeitsarbeit versuchen wir Verständnis für die Notwendigkeit unserer Arbeit und ein Bewusstsein für die Mitverantwortung für den Arten- und Naturschutz zu wecken.

Landschaftsschutz und Artenschutz

oto: Leander Möbius Auf dem Golfplatz Dackenheim befinden sich 6 und in der näheren Umgebung  7 weitere Brutröhren. 2016 wurden 5 davon auf dem Golfplatzgelände und 6 weitere in der Umgebung bebrütet.
Foto: Leander Möbius Auf dem Golfplatz Dackenheim befinden sich 6 und in der näheren Umgebung 7 weitere Brutröhren. 2016 wurden 5 davon auf dem Golfplatzgelände und 6 weitere in der Umgebung bebrütet.

Die Artenvielfalt in unserer Region ist auch ein Resultat der landwirtwirtschaftlichen Nutzung seit der Besiedlung nach letzten Eiszeit. Dadurch ist eine Landschaft mit sehr unterschiedlichen Lebensräumen entstanden. Würden wir nicht in die Natur eingreifen, würde Mitteleuropa wieder mit einem Laubmischwald - der hierzulande natürlichen Bodenbedeckung - zuwachsen. Die Folge wären ein Rückgang oder das Verschwinden vieler Arten.

Der Schutz von Arten durch Schutz abwechslungsreicher und vielfältiger Landschaftsstrukturen ist erklärtes Ziel des NABU.

NABU Heidewald

In Rheinland-Pfalz im Umkreis der Ortschaften Birkenheide, Ellerstadt, Fußgönheim, Lambsheim und Maxdorf