Wenn der Winter sich dem Ende zuneigt und Temperaturen ab acht Grad aufwärts auch in der Nacht vorherrschen, vielleicht auch noch Regen fällt, besteht ein Traumwetter für Erdkröten, Bergmolche und Grasfrösche. Dann machen sie sich von ihrem Winterquartier auf zu ihren Laichgewässern. Der Weg führt oft über viel befahrene Straßen, und dort lauert eine tödliche Gefahr für die Tiere. Deshalb warnen die Kommunen in diesen Tagen alljährlich vor den bekannten Krötenwanderwegen und sperren Straßen oder weisen Tempo-30-Zonen aus.

Oft wird bereits beim Straßenbau, auch in unserer Region, der Amphibienwanderung Rechnung getragen, indem Röhren unter den Straßen angelegt werden, durch die die Amphibien kriechen können, so z. B. an der Umgehungsstraße östlich von Lambsheim. Trotzdem gibt es noch immer zahlreiche Straßen, über die Kröten und Frösche hüpfen und sprichwörtlich unter die Räder kommen.

Der NABU schätzt, daß auf diese Weise jährlich Millionen von Tieren sterben. Die Autos auf vielbefahrenen Straßen können durchaus ganze Populationen von Kröten oder Lurchen auslöschen. Selbst schwach befahrene Straßen mit zehn bis 15 Autos pro Stunde sind eine tödliche Falle, da die Tiere einige Minuten benötigen, um eine große Straße vollständig zu überqueren. Zudem verweilen sie oft gezielt etwas länger auf der Fahrbahn, um die dort gespeicherte Wärme des Tages aufzunehmen.

Deshalb bitten die Naturschützer dringend darum, nicht die Straßen zu benutzen, die explizit wegen der Krötenwanderung gesperrt sind. Auch für die Tempo-Reduzierungen auf 30 Stundenkilometer gibt es gute Gründe. Bei diesem Tempo haben die Tiere nämlich zumindest eine Chance, wenn ein Autofahrer sie genau zwischen die Radspuren nimmt. Sind Autos mit höherem Tempo unterwegs, töten sie die Tiere schon alleine durch die plötzliche Druckänderung unter dem Autoboden oder schleudern sie durch den Fahrtwind in die Höhe.

In ganz Deutschland wurde in den letzten Jahren ein starker Rückgang der Krötenpopulationen registriert. Verglichen mit den Bestandszahlen zu Anfang der 1990er Jahre werden heute vielerorts höchstens noch die Hälfte an Tieren vorgefunden. Auch die Lebensräume in den Feldfluren und die Laichgewässer hätten abgenommen. Und letztere seien immer stärker durch die Umwelt belastet.

Wer übrigens mithelfe, Kröten und Frösche über die Straße zu tragen, sollte dies genau an der Stelle tun, an der die Frösche warteten. Denn die Tiere schlagen immer denselben Weg an ihr Laichgewässer ein. Wer die Amphibien ein paar hundert Meter weiter auf der gegenüberliegenden Straßenseite absetze, beschere ihnen die Anstrengung des langen Weges zurück.

Der Rhein-Neckar-Kreis hat an rund 40 Stellen Maßnahmen zum Schutz der Kröten ergriffen. Das umfasst nächtliche Straßensperrungen genauso wie die Ausweisung von nächtlichen Geschwindigkeitsbeschränkungen, begleitet von blinkenden Warnlichtern. Betroffen sind unter anderem die B 3 zwischen Hemsbach und Laudenbach, die B 39 bei Mühlhausen und zahlreiche Landesstraßen.

In Heidelberg werden die Straßen Am Schlierbachhang, beim Rodell, die Wolfsbrunnensteige und der Klingelhüttenweg von 19.30 Uhr bis 6.30 Uhr für den Durchgangsverkehr gesperrt. An den ausgeschilderten Krötenwanderwegen in Ziegelhausen, um Emmertsgrund vonm Kohlhof in Richtung Waldhilsbach und in Schlierbach sind Krötenhelfer im Einsatz. Die Autofahrer werden um Aufmerksamkeit gebeten.

Im Rhein-Pfalz-Kreis wird unter anderem der Heideweg zwischen Maxdorf und Lambsheim nachts gesperrt. Im Kreis Bad Dürkheim bleibt ab heute die Straße zwischen Wachenheim und Rotsteig ab 19 Uhr nachts dicht. Die Sperrungen der Straßen und Tempolimits können - je nach Witterung - bis Mitte April andauern.

Unsere jährlichen Aufgaben und Aktionen

 

 

Anfang Januar findet bundesweit die "Stunde der Wintervögel" statt Der NABU Heidewald führt Anfang jedes Jahres seine satzungsgemäße Mitgliederversammlung durch.

Januar

 

Februar

Ab Anfang März ist mit Krötenwanderung am Maxdorfer Weiher zu rechnen.

März

   

April

Zur Einstimmung auf die "Stunde der Gartenvögel" veranstaltet der NABU Heidewald Anfang Mai seine traditionelle Vogelstimmenwanderung  

Mai

   

Juni

In den Sommermonaten müssen bei trockener Witterung die Obstgrundstücke regelmäßig bewässert werden.

 

Juli

 

August

Im September beginnt die Obsternte auf den NABU-Grundstücken  

September

   

Oktober

Mit dem späten Herbst beginnt die Hauptsaison für Biotoppflegemaßnahmen: Entbuschen, mähen, Bäume pflanzen usw.  

November

   

Dezember

 

Einst war die Europäische Sumpfschildkröte ein typischer Bewohner der Auengebiete des Oberrheins. Da diese Lebensräume nur noch inselhaft existieren, sind die Bestände immer mehr zurückgegangen. Vor über 60 Jahren wurden zum letzten Mal freilebende Sumpfschildkröten in Rheinland-Pfalz gefangen, seitdem gilt die Art als ausgestorben. 

 Nachdem bereits in Hessen ein erfolgreiches Wiederansiedlungsprojekt gestartet ist, machte man sich auch in Rheinland-Pfalz auf die Suche nach geeigneten Biotopen, in denen ein Bestand der Sumpfschildkröte wieder Fuß fassen könnte. Die Wahl fiel auf den Landschaftsraum Bobeheim-Roxheimer Altrheingebiet, da dieser Biotopverbund nicht nur eine Vielzahl unterschiedlich gestalteter Gewässer besitzt, sondern auch potentielle Eiablageflächen bietet. Das Kernproblem beim Aufbau einer stabilen Population stellt nämlich die Frage dar, ob es den Tieren gelingt, ausreichend Nachwuchs zu produzieren. Einerseits müssen die Sandflächen, in denen die Eier abgelegt werden können, bestimmten Kriterien genügen, andererseits sind Eier wie auch Jungtiere einer Vielzahl von Gefahren ausgesetzt.

In den neunziger Jahren legten Aktive des NABU Heidewald Streuobstwiesen an, indem sie hauptsächlich Hochstämme von geeigneten Äpfeln und Birnen pflanzten. In geringerem Umfang wurden auch Zwetschgen, Kirschen und anderes gesetzt.

 Die Baumscheiben werden immer noch gepflegt, also der Bewuchs entfernt und Mulchmaterial aufgetragen. So kommen den Bäumen Nährstoffe zu und der Boden kann das Wasser besser speichern.  Das hilft den Bäumen, denn der Sandboden ist mager und kann das wenige Regenwasser nur schlecht halten.

Artenschutzprojekt Steinkauz

Warum engagiert sich der NABU-Heidewald für den Steinkauz?

Im Jahr 1999 besuchte unser langjähriges Mitglied Dr. Leander Möbius eine NABU-Tagung, bei der es um die Situation der Steinkäuze  in Deutschland und im Oberrheingraben ging. Da unsere Region mit ihren offenen, klimatisch begünstigten Landschaften sehr geeignet erschien, engagierte er sich für den Schutz und die Wiederansiedlung des Steinkauzes im Rahmen des NABU-Artenschutzprogramms "Steinkauz". Von Anfang an war Volker Schlie an dem Projekt tatkräftig beteiligt.

Das Projektgebiet

Das Kerngebiet der Bearbeitung wird durch die Autobahnen A 6  im Norden, A 61 im Osten, A 65 im Süden und durch den Haardtrand im Westen begrenzt.  Wir haben die Bearbeitung des Kerngebiets aufgeteilt:

Den Nordteil betreuen Rudi Holleitner und Kollegen, den Südteil betreuen die Mitglieder  des NABU-Heidewalds. Weiter beteiligt ist hier der NABU-Mittelhaardt.

Intensiv setzen sich auch Arbeitskreise für den Steinkauzschutz  in Gebieten ein, die an unser Projektgebiet angrenzen, wie linksrheinisch vom Elsass bis nach Mainz, aber auch im Elsass selbst, in der Schweiz sowie auf der badischen Rheinseite. Unsere Hoffnung auf Vernetzung der Vorkommen unserer Steinkäuze mit denen unserer  Nachbarn hat sich erfreulicherweise bereits erfüllt.

Mitarbeiten

Um am Steinkauzprojekt mitarbeiten zu können, muss man kein Mitglied beim NABU oder einem anderen Naturschutzverband sein und auch nicht regelmäßig an Treffen teilnehmen. Wer möchte, ist selbstverständlich dazu eingeladen. Mitgliederstarke Verbände haben bei der politischen Willensbildung entsprechenden Einfluss.

Die Arbeit am Projekt erfolgt, je nach Witterung, von Mitte Mai bis Ende Juni, ggf. bis Anfang Juli. Dabei werden die Steinkauzröhren ein- bis dreimal aufgesucht, um den Bruterfolg zu prüfen und die jungen Steinkäuze und evtl. Altvögel zu beringen. Unterstützung bei der Röhrenkontrolle ist sehr willkommen. Beringen selbst darf nur, wer über eine Beringerlizenz  verfügt. Dazu ist ein Beringerkurs mit abschließender Prüfung  bei der Vogelwarte Radolfzell notwendig.

Eine Reparatur und das Anbringen neuer Röhren erfolgen im Allgemeinen im Herbst.

Wer helfen möchte, kann sich per Mail an Eberhard Hauser Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder telefonisch an Volker Schlie, 06237-6369, wenden. Fragen zum Steinkauz generell beantwortet gern Leander Möbius, Tel. 06353-1336.

Die Beringer tragen die Verantwortung für den Umgang mit den Vögeln und dafür, dass alle Daten sachlich richtig an die Vogelwarte Radolfzell übermittelt werden.

Wissenswertes über den Steinkauz

Eine der seltenen Sieberbruten. Foto: Leander Möbius, 19.5.2012
Eine der seltenen Sieberbruten. Foto: Leander Möbius, 19.5.2012

Der Steinkauz kommt als Kulturfolger in offenen, waldfreien Landschaften vor. Er bevorzugt freistehende Einzelbäume, kommt in Ortsrandbereichen und Gehöften mit Streuobstbeständen und Viehweiden vor. Zudem besiedelt er Weinberge, Steinbrüche und andere Sonderstandorte. Geschlossene Waldgebiete meidet er. Dort steht er in Konkurrenz zum Waldkauz, der zu seinen Fressfeinden zählt.

70% der in Deutschland lebenden Steinkäuze leben im nordwestdeutschen Tiefland. Sein zweiter Besiedlungsschwerpunkt sind die westdeutschen Mittelgebirgsregionen, in dem auch das Oberrheinische Tiefland liegt.

 

Erfolge und Entwicklungen

Ergebnisse von 2002 bis 2016 (Kerngebiet)

Jahr

02

03

04

05

06

07

08

09

10

11

12

13

14

15

16

Röhren

54

69

82

95

100+

110+

120+

130+

140+

140+

140+

140+

140+

160

160

Bruten

3

4

17

27

36

36

43

40

42

49

53

54

52

50

55

Eier

11

18

63

132

151

140

180

147

177

194

216

204

246

218

220

ber. Jungen

8

9

52

123

61

124

137

98

139

159

199

131

203

175

154

Junge ges.

8

17

69

192

253

377

514

612

751

910

1109

1240

1443

1618

1772

 

 

Die Anzahl der Röhren hat sich seit 2002 von 54 auf 160 Röhren verdreifacht. Waren es in den ersten beiden Jahren nur 3 bzw. 4 Bruten, so sind es seit 2012 konstant mehr als 50 Bruten. Schwankungen im Bruterfolg erklären sich durch das Nahrungsangebot. Hierzu zählen vor allem Mäuse. Seit Projektbeginn wurden bereits 1772 Junge beringt.

Zu- und Abwanderungen

Grafik: Leander Möbius
Grafik: Leander Möbius

 

Grafik: Leander Möbius
Grafik: Leander Möbius

Positive Effekte für andere geschützte Arten

In den Niströhren brüten gelegentlich auch andere Höhlenbrüter. Besonders sind hier die Wiedehopfe hervorzuheben. In 11 Steinkauzröhren gab es bereits 21 erfolgreiche Wiedehopfbruten.

Probleme und Rückschläge

Leider kommt es immer wieder vor, dass Niströhren durch Vandalismus beschädigt oder Bäume mit Niströhren gefällt werden. Damit müssen wir leben.

Durch Öffentlichkeitsarbeit versuchen wir Verständnis für die Notwendigkeit unserer Arbeit und ein Bewusstsein für die Mitverantwortung für den Arten- und Naturschutz zu wecken.

Landschaftsschutz und Artenschutz

oto: Leander Möbius Auf dem Golfplatz Dackenheim befinden sich 6 und in der näheren Umgebung  7 weitere Brutröhren. 2016 wurden 5 davon auf dem Golfplatzgelände und 6 weitere in der Umgebung bebrütet.
Foto: Leander Möbius Auf dem Golfplatz Dackenheim befinden sich 6 und in der näheren Umgebung 7 weitere Brutröhren. 2016 wurden 5 davon auf dem Golfplatzgelände und 6 weitere in der Umgebung bebrütet.

Die Artenvielfalt in unserer Region ist auch ein Resultat der landwirtwirtschaftlichen Nutzung seit der Besiedlung nach letzten Eiszeit. Dadurch ist eine Landschaft mit sehr unterschiedlichen Lebensräumen entstanden. Würden wir nicht in die Natur eingreifen, würde Mitteleuropa wieder mit einem Laubmischwald - der hierzulande natürlichen Bodenbedeckung - zuwachsen. Die Folge wären ein Rückgang oder das Verschwinden vieler Arten.

Der Schutz von Arten durch Schutz abwechslungsreicher und vielfältiger Landschaftsstrukturen ist erklärtes Ziel des NABU.

NABU Heidewald

In Rheinland-Pfalz im Umkreis der Ortschaften Birkenheide, Ellerstadt, Fußgönheim, Lambsheim und Maxdorf